Zur Geschichte der Schultüte

Wenn man heute von “Einschulung” redet, muss man auch von der Schultüte reden. Sie ist das eindeutige Kennzeichen der Mädchen und Jungen, die zum allerersten Mal in die Schule gehen.

Lehrer Löwe als Schulanfänger 1949

Der Schulanfang ist so alt wie die Schule selbst. Kain und Abel mussten vermutlich noch nicht zur Schule, deshalb bekamen sie auch noch keine Schultüte. Wann es wirklich die erste Schultüte gab, weiß man nicht so genau. Nicht immer wurde gleich alles aufgeschrieben, was einem so als neue Idee eingefallen war. Das ist ganz besonders mit den Bräuchen so.

Die erste Schultüte, von der wir bisher wissen, bekam ein Knabe im sächsischen Gersdorf, wohl 1776 vom Schulmeister. Mehr ist über diese Tüte leider nicht bekannt. Es gibt verständlicherweise auch kein Foto. Der Junge war übrigens sehr enttäuscht, dass er am nächsten und auch den folgenden Tagen nicht wieder eine „Zuckertüte“ bekam.

1905 Marienberg im Erzgebirge

Nach einigen weiteren Hinweisen auf einzelne Schultüten waren sie offenbar Mitte des 19. Jahrhunderts offenbar schon weiter verbreitet:

Im Jahre 1852 wurde sie zu einem Thema für ein Kinderbuch. Da wuchsen auch bereits die Zuckertüten an einem Zuckertütenbaum, der im Schulhause steht. Solche geheimnisvollen Bäume konnten auch auf dem Dachboden oder im Keller des Schulhauses stehen. Heute hängen die Tüten in manchen Orten sogar an richtigen Bäumen - vor allem in Thüringen und Sachsen.

Vor 150 Jahren waren es sicher nur Kinder der gehobenen Schichten, die ein Einschulungsgeschenk bekamen. Viele andere Kinder konnten noch gar nicht oder nur im Winter die Schule besuchen. Sie mussten noch in der Landwirtschaft helfen oder durch andere Arbeiten zum Familienunterhalt beitragen, statt die Zeit in einer Schule zu „vertrödeln“. Doch mit der Zeit wurde die Schulpflicht mehr und mehr durchgesetzt. Und die Schultüten wurden auch häufiger - zunächst in Mitteldeutschland. Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gab es dort die ersten fabrikmäßig hergestellten Schultüten. Seit der Zeit wanderte der Schultütenbrauch dann in das übrige Deutschland. In den kleinen Orten Westdeutschlands dauerte es allerdings bis in die 1950er Jahre, bis auch dort die Tüten ankamen. Dabei hatten die verschiedenen “Schlechten Zeiten” die Ausbreitung immer mal wieder aufgehalten.

Die Form der Tüten hat sich in den letzten hundert Jahren nicht wesentlich geändert. Es überwiegt der runde Spitzkegel. In der ehemaligen DDR hatte sich als Haupttüte eine sechseckige Tüte durchgesetzt, die auch heute dort noch vorgezogen wird. Nur für die Nebentüten, die von der näheren Verwandtschaft geschenkt werden, sind dann wieder kleinere runde Tüten gefragt.

In einigen deutschen Gegenden gab es statt der Tüte auch andere Geschenke, z.B. verschiedene Arten von Brezeln in Hessen, Rosinen und Backpflaumen in Ostfriesland.

Das Wort “Zuckertüte” klingt einigen besorgten Eltern und Zahnärzten heute sehr verdächtig. Hinweise, was statt des „Zuckerzeugs“ besser in die Tüte kommen sollte, finden sich alle Jahre wieder in den Medien. Dabei sollte es aber nicht so schlimm kommen, wie in den schon genannten “Schlechten Zeiten”: Um die Tüte wenigstens als Symbol für den Schulbeginn zu wahren, wurde sie damals mit Holzwolle, Knüllpapier oder Kartoffeln gefüllt, um darauf dann einige selbst gebackener Kekse zu legen. Aber es muss ja auch nicht gleich das Handy sein!

Stundenpläne

DDR-Stundenplan 80er Jahre

Ein Blatt Papier, einen Stift, und, wenn es ordentlich sein soll, ein Lineal: Mehr braucht man nicht für einen Stundenplan. Und so dürften sie auch lange Zeit ausgesehen haben. Irgendwann kam jemand auf die Idee, den Lehrern ein nützliches Notizbuch in die Hand zu geben: den Lehrerkalender. Darin gab es dann unter anderem einige Seiten mit einem vorgedruckten Stundenplan-Schema. Daran hat sich nichts geändert seit 1878, meinem ersten Exemplar, bis heute.

Der nächste Einfall kam Geschäftsleuten, die Schulkinder mit Büchern und allem Schreibmaterial ausrüsteten: Die Kinder bekamen ein fertiges Stundenplan-Formular, und die Firma druckt rundherum oder hinten drauf ihren Namen und ihr Angebot. Einzelne Geschäfte wiesen sich dabei sogar als „Zulieferer“ für ein bestimmtes Gymnasium oder Lyceum in der Nachbarschaft aus. Leider sind diese Stundenpläne in meiner Sammlung nicht datiert, sie stammen aber aus der Zeit um die Jahrhundertwende.

Datierbar ist ein Plan der Firma Braun und Schneider, bekannter als „Brunnen“ in Heilbronn. Sie ließ 1898 einen Stundenplan als Muster schützen, der zusammengeklappt in die Westentasche passte. Man merkt: Der Plan war für die älteren Jahrgange des Gymnasiums.

Im Jahr 1905 zogen die Kleinen nach: H.R. von Volkmann, Mitglied des Karlsruher Künstlerbundes, zeichnete einen fröhlichen Kinder-Stundenplan.

Messmer Stundenplan 1906

Von diesen frühen Blättern bis zum jeweils aktuellen Jahr reicht meine Sammlung. Dabei beschränkt sich die Auswahl nicht nur auf deutsche Stücke. Von den skandinavischen Ländern bis China und Indien ließen sich Markierungen auf der Landkarte anbringen.

Die meisten Stundenpläne geben die Kindern oder deren Eltern einen Hinweis mit. Das reicht von dem Namen eines Händlers oder eines Produktes, geht über das 1 x 1, zu den verschiedensten Superlativen der Technik zu den Größen des Geistes, von der Unterstützung des Krieges bis zum Naturschutz.

Es gibt kaum eine Branche und kaum ein Thema, welches nicht Platz auf Stundenplänen gefunden hätte. Es gibt langweilige und es gibt wunderschöne Gestaltungen. Dadurch wird das Sammeln von Stundenplänen reizvoll. Erst der individuelle Stundenplan auf dem Mobiltelefon bedeutet das Ende dieser Entwicklung.

Aber eigentlich genügen ein leeres Blatt und ein Stift...